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Ein perfides Spiel von Regierung und Medien: Die Hartz IV-Empfänger werden zu Sündenböcken für die ausbleibenden Steuersenkungen stigmatisiert

Samstag, 13. Februar 2010

Jens Berger analysiert in seinem Blog Spiegelfechter exzellent, wie Regierung und Medien daran arbeiten, die Hartz IV-Empfänger wegen des ergangenen Urteils aus Karlsruhe zum Sündenbock für die Unfinanzierbarkeit der von Schwarz-Gelb versprochenen Steuersenkungen zu machen. Dabei war jedem kritisch denkenden Bürger schon zuvor klar, dass nach den dreistelligen Milliardensummen zur Rettung von Bankstern und Spekulanten, der Abwrackprämie für die Metallindustrie und den zusätzlichen Ausgaben für das Kurzarbeitergeld in Kombination mit der in der zum Schluß der vorherigen  Legislaturperiode eilig durchgedrückten Schuldenbremse keinerlei Spielraum mehr für Steuersenkungen besteht. Aber offenbar hoffte Schwarz-Geld Schwarz-Gelb, dass das Urteil aus Karlsruhe später kommt und man bis dahin vielleicht schon die größten Schweinereien auf Kosten der Ärmsten und Schwächsten bereits beschlossen und vom Tisch hätte, mit denen man die versprochenen Steuersenkungen finanzieren wollte. Denn schon vor der letzten Bundestagswahl hatte Martin Lindner (FDP) angekündigt, dass Schwarz-Gelb die geplanten Steuersenkungen auf der Ausgabenseite wohl durch eine Kürzung des ALG2-Regelsatzes um 30% auszugleichen gedenkt.

Gleichzeitig wird gegen das Bundesverfassungsgericht gehetzt, weil es dem Kurs des neoliberalen Raubbaus an Sozialstaat und Gesellschaft zumindest teilweise begrenzt. Bleibt die Frage, was das Bundesverfassungsgericht dafür kann, wenn die neoliberalen Lobbyisten des Großkapitals, insbesondere in den bürgerlichen Parteien,  fortwährend verfassungswidrige Gesetze beschließen, wenn es um Sozialpolitik und Bürgerrechte geht.

Die FDP und der Neoliberalismus

Donnerstag, 21. Mai 2009

Für die weitere Entwicklung war das sog. Lambsdorff-Papier vom 9. September 1982 bedeutsam, dessen Forderungen nach spürbarer Verbesserung der Kapitalerträge und einer “Verbilligung des Faktors Arbeit” durch Senkung der Sozialleistungsquote vor 25 Jahren zum Bruch der sozial-liberalen Koalition führten. Die nachträgliche Lektüre des Memorandums lässt erkennen, dass es sich um das offizielle Drehbuch für die Wirtschafts- und Sozialpolitik bis heute handelte und der “Marktgraf” ein wichtiger Wegbereiter der neoliberalen Hegemonie war. So sehr entsprechen zahlreiche Maßnahmen, die seither ergriffen wurden, dem dort niedergelegten Handlungskatalog: Von einer zeitlichen Begrenzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes auf zwölf Monate über die Einführung eines “demografischen Faktors” zur Beschränkung der Rentenhöhe (“Berücksichtigung des steigenden Rentneranteils in der Rentenformel”) bis zur stärkeren Selbstbeteiligung im Gesundheitswesen listete das Lambsdorff-Papier fast alle “sozialen Grausamkeiten” auf, welche die folgenden Bundesregierungen bis heute verwirklichten.

Querkopf, Mai 2009

PS: Mit dem Namensgeber des Lambsdorff-Papiers ist selbstredend Otto Friedrich Wilhelm von der Wenge Graf Lambsdorff gemeint, bekannt als Otto Graf Lambsdorff, von 1977 bis 1984 Bundesminister für Wirtschaft sowie 1988 bis 1993 Bundesvorsitzender der FDP. Es wäre mehr als naiv anzunehmen, dass nach dem Abtritt von Lambsdorff auf einmal sozial eingestellte und menschenfreundliche Nachfolger erschienen seien und das Lambsdorff-Papier verworfen hätten. Ich gehe davon vielmehr aus, dass die FDP bis heute noch an den Inhalten des Lambsdorff-Papiers plus x festhält. Großkapital und Spekulanten, ein Teil der üblichen FDP-Klientel, würden eben FDP wählen – aber kein vernünftiger Mensch mit Verstand und Anstand, der sich über die Menschen, unsere Gesellschaft und vor allem deren Zukunft Gedanken macht.