Archiv für die Kategorie „Europawahl“

Abschließender Kommentar im Fall Silvana Koch-Mehrin (FDP)

Mittwoch, 15. Juli 2009

Frau Koch-Mehrin hat nun doch im dritten Anlauf den Posten im EU-Parlament erhalten. Dank der Zustimmung der Grünen. Sie hatten die Wahl zwischen einer schwer belasteten FDP-Kandidatin und einem polnischem Rassisten. Warum die Grünen sich nicht der Stimme enthielten, statt dessen einer zweifelhaften Kandidatin den Zugang zum Präsidium ermöglichten, ist mir schleierhaft. Die Fraktion hätte sich doch auch der Stimme enthalten können, oder?
Gern schwafeln die Liberalen von Selbstverantwortung. Diese Selbstverantwortung bezieht sich aber immer auf die anderen. Frau Koch-Mehrin kann durch Abwesenheit im Parlament und in Ausschüssen glänzen. Die Neoliberalen dürfen auch gern Wirtschaftsrezepte in Deutschland und in der ganzen Welt initiieren. Gern auch wohl für Entwicklungsländer, denen die Sozialhaushalte weggestrichen werden, weil sie der Marktöffnung im Wege stehen. Nur, Verantwortung wollen sie niemals für ihre “Empfehlungen” übernehmen. Und Koch-Mehrin wird von den Grünen ins EU-Parlament gewählt. Ich sehe da keinen Unterschied zwischen liberaler “Leistungsverweigerung” und rassistischen Abgeordneten. Beides brauchen wir nicht! Die Grünen scheinen im System der Sachzwänge nun endlich angekommen zu sein. Wieder kein guter Tag für Europa.

NachDenkSeiten

Silvana Koch-Mehrin (FDP) und die Blogger

Montag, 8. Juni 2009

Sehr schön zusammengefasst beim Tagesspiegel:

Erst versuchte Koch-Mehrin, die Berichterstattung über das Thema zu behindern, indem sie juristisch gegen die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ – erfolglos – vorging. Dann versuchte sie, den Südwestrundfunk unter Druck zu setzen und die Ausstrahlung einer Sendung zu verhindern. Und schließlich sollte auch die Berichterstattung im „Ruhrbaron“, einem Blog, in dem auch der Journalist und Wächterpreisträger David Schraven schreibt, unterbunden werden. Schraven hatte in seinem Blog über die Diskrepanz zwischen eidesstattlicher Versicherung und den Angaben des Parlaments berichtet. Daraufhin habe sich die FDP bei ihm gemeldet und mit dem „Anwerfen der Justizmaschinerie“ gedroht, so Schraven. In einem Telefonat zwischen dem Anwalt von Koch-Mehrin, einem Politiker aus der FDP-Spitze und ihm selbst habe man ihm mit Verleumdungsklagen gedroht, wenn er seinen Text nicht aus dem Netz nehme. Doch sein Artikel blieb online, woraufhin es laut Schraven viele Schmähkritiken gegen ihn gegeben hat. Schraven habe die IP-Adressen der Kommentare zurückverfolgt und festgestellt, dass sie aus der Bundesgeschäftsstelle der FDP gekommen seien, einige sogar direkt vom Pressesprecher Koch-Mehrins. „Aber seit dieser Vorfall öffentlich ist, halten sie sich mit Drohungen zurück.“

Weiterlesen

Wo die FDP bei Wikipedia herumpfuscht

Samstag, 6. Juni 2009

In den ganzen Berichten und Blogeinträgen zu den Eskapaden von Silvana Koch-Mehrin (FDP) wurde unter anderem ein Link gepostet, der zeigt, wo von der FDP-Zentrale aus an Wikipedia-Beiträgen herumgefummelt wird. Sehr aufschlussreich…

SPD: Hartz IV-Empfänger sollen parasitäre Finanzwirtschaft stützen

Samstag, 6. Juni 2009

Wie sonst sollte der Vorschlag der SPD zu verstehen sein, das Schonvermögen von Hartz IV-Empfängern praktisch ins Unendliche zu erhöhen, wenn es denn bloß später als Rente ausgezahlt wird. Das Ziel dieses Vorstoßes ist klar: Die Betroffenen sollen ihr Vermögen der raffgierigen Finanzwirtschaft für Riesterrente und andere Schrottprodukte mit miesen Renditen und beschränkter Sicherheit in den maßlosen Schlund stopfen. Ob eine eigene Immobilie, welche im Alter die Miete spart, ebenso anerkannt wird, ist noch nicht klar. Es drängt sich der Verdacht auf, dass so weitere Milliarden zu den Bankstern umgelenkt werden sollen. Insofern bleibt die SPD ihrer neoliberalen, marktradikalen und menschenverachtenden Linie, welche sie seit Gerhard Schröder und der Agenda 2010 verfolgt, treu. Da kann Franz Müntfering noch so sehr sozial heucheln, wir Wähler werden uns von diesem Schröder-Intimus nicht mehr belügen und betrügen lassen. Hinterher würde sich Müntefering eh wieder darüber beschweren, dass er an Wahlversprechen gemessen wird.

Linkspartei wählen, wenn von sozialen Konzepten nicht nur heiße Luft übrig bleiben soll!

René Rock: “Die FDP will keine gerechte Gesellschaft”

Mittwoch, 3. Juni 2009

Von der FDP erwartet nun wirklich niemand ein soziales Profil. Dennoch gibt man sich bei den Liberalen seit der Wirtschaftskrise nicht mehr ganz so frech marktradikal wie zuvor. Schließlich will man ja regieren und ohne soziales Profil oder zumindest Abwesenheit einer sozialstaatsfeindlichen Einstellung wird man bei der diesjährigen Bundestagswahl keinen Blumentopf gewinnen können, auch wenn Forsa Union und FDP allenthalben in seinen Pseudo-Umfragen hochjubelt.

Offenbar wurde aber der hessische FDP-Politiker René Rock nicht von seiner Parteizentrale gebrieft, denn dieser ließ sich im hessischen Parlament zu folgender Aussage hinreissen:

Die FDP will keine gerechte Gesellschaft.

Nun, diese Aussage ist nicht neu, denn in einer gerechten Gesellschaft müßte ja die Klientel der FDP samt der eigenen Mitglieder Abstriche machen und genau dagegen will die FDP bekanntlich Politik machen. Allerdings kündigt man mit einer solchen Aussage den Grundkonsens der Gesellschaft auf und stellt sich damit selbst in eine Ecke mit anderen gesellschaftsfeindlichen Parteien, z.B. mit Extremisten des rechten Spektrums.

Vielleicht reagiert Silvana Koch-Mehrin deshalb so dünnhäutig auf kritische Artikel bezüglich ihrer Anwesenheit im EU-Parlament?

Weitere Infos und Links zum Fall Silvana Koch-Mehrin (FDP)

Mittwoch, 3. Juni 2009

Nachfolgend einige Links zu weiteren Artikeln über die Auseinandersetzung von Silvana Koch-Mehrin (FDP) mit Bloggern und der FAZ:

Am heutigen Tag (03.06.2009) wird das Magazin ZAPP (NDR) ab 23.00 Uhr über den Fall Silvana Koch-Mehrin berichten:

“Arbeit muss sich wieder lohnen!” – So trommelt die FDP für die Europawahl. Doch Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin arbeitet selten im EU-Parlament. Wer das berichtet, bekommt Post vom Anwalt.

Über die Anwesenheit der 38 Jahre alten Politikerin im Parlament gibt es unterschiedliche Auffassungen. Koch-Mehrin sprach der “FAZ” gegenüber von einer Präsenzquote von mehr als 75 Prozent. In einer im Internet veröffentlichten Statistik des EU-Parlaments kommt sie lediglich auf 62 Prozent. Medienberichten zufolge soll die Quote sogar deutlich geringer sein.

Das wird sicherlich spannend :mrgreen:

Silvana Koch-Mehrin (FDP): Arbeit muss sich wieder lohnen?

Mittwoch, 3. Juni 2009

Zumindest für Silvana Koch-Mehrin (FDP) und die sonstige Klientel der liberalen Marktradikalen:

Bei Koch-Mehrin handelt es sich um eine typische FDP-Parlamentarierin, sprich Lobbyistin. Sie ist natürlich Mitglied des Fördervereins der arbeitgeberfinanzierten PR-Organisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und beruflich Gründerin der Unternehmensberatung Conseillé + Partners, eine Unternehmensberatung für Strategieplanung und Europaberatung in Brüssel; seitdem geschäftsführende Gesellschafterin. „Ich zeige Unternehmen, die keine Vertretung in Brüssel haben, wie die Europäische Union funktioniert“, beschreibt die Kölnerin ihren Job. Seit 2003 ist sie Partnerin der Brüsseler Agentur “Policy Action Ltd.”. Näheres siehe auch Parteibuch-Lexikon. Laut attac hat Koch-Mehrin sich bei ihrer ersten Nominierung auf dem Parteitag der FDP geweigert, eine Erklärung zu unterzeichnen, dass sie als Abgeordnete auf Lobby-Aufträge aus der Wirtschaft verzichten wird.

Europa-Parlamentariern und Europa-Beraterin, das ist eine ideale Kombination einer FDP-„Leistungsträgerin“: Man kassiert die mit vielen Zulagen versehene üppige Diät einer EU-Parlamentarierin und vermarktet dieses Mandat dann noch als Unternehmensberaterin zum Abkassieren von EU-Fördergelder oder zur Einflussnahme auf Entscheidungen der EU-Gremien.

(Die Entschädigung einer EU-Parlamentarierin setzt sich zusammen: Aus einem Gehalt, das 38,5 % der Grundbezüge eines Richters am Europäischen Gerichtshof entspricht und direkt von der EU bezahlt wird. Nach EU-Steuern entspricht dies circa 6.000 Euro netto.

Aus einer allgemeinen Kostenvergütung von monatlich 4.202 EUR.

Aus einer Vergütung von Reisekosten, die dem Mitglied bei Reisen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft für die Teilnahme an Sitzungen des Europäischen Parlaments, wie Plenartagungen, Sitzungen der Ausschüsse, Fraktionssitzungen usw., entstehen.(Neuerdings gegen Belege)

Aus einer jährlichen Reisekostenvergütung für andere Reisen von maximal 4.148 EUR.

Dazu kommt eine Pauschalvergütung in Höhe von 298 EUR je Tag, an dem das Mitglied an offiziellen Sitzungen der Gremien des Europäischen Parlaments teilnimmt.
Hinzu kommen Übergangsgelder und Zahlungen für das Ruhegehalt und die Hinterbliebenenversorgung die aus dem Haushalt der EU finanziert werden.

Die Mitglieder des Europäischen Parlaments haben Anspruch auf Unterstützung durch persönliche Mitarbeiter, die sie selbst auswählen. Das Parlament kommt für alle tatsächlich entstandenen Kosten auf, die komplett und ausschließlich durch die Einstellung oder die Inanspruchnahme der Dienste eines oder mehrerer Assistenten entstehen. Es können maximal 17.540 EUR monatlich geltend gemacht werden.

Dass sich Silvana Koch-Mehrin aktuell noch rechtliche Auseinandersetzungen um ihre Fehlzeiten im EU-Parlament mit der FAZ und einigen Blogs liefert, setzt dem Ganzen die Krone auf:

Der Knackpunkt ist dabei ein ganz spezieller. Wenn man sich die Plakate von Koch-Mehrin ansieht, mit denen sie versucht, Stimmen für ihre Europaspitzenkandidatur zu gewinnen, dann sieht man das Bild einer stolzen Frau. Sie will den Eindruck erwecken, sie verträte die Interessen der Bürger in Europa gut. In dieses Image scheint es nicht zu passen, wenn herauskommt, dass jemand nur irgendwas unter 45 Prozent der Plenarsitzungen in der EU besucht. Egal aus welchen Gründen.

Hoffen wir, dass möglichst wenige Bürgerinnen und Bürger dieser Lobbyistin ihre Stimme geben. Die FDP ist und bleibt halt eine Klientel-Partei, die von all dem neoliberalen Geschwätz, mit dem sie von anderen – in der Regel tatsächlich produktiv arbeitenden – Menschen immer mehr Verzicht und immer mehr Leistung fordert, für sich selbst nichts wissen will.